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Kirchentag_2017
von Petr Bystron, HUFFPOST Blog, aktualisiert am 25.05.2017

Kirchentag: Martin Luther wäre hier unerwünscht

Martin Luther kommt auf dem Evangelischen Kirchentag nur auf Plakaten vor. Die Star-Gäste des Mega-Events sind zwei Politiker: Barack Obama und Angela Merkel. Dabei ist Luther 500 Jahre nach dem Thesenanschlag aktueller denn je. Denn die Kirche paktiert wieder mit Politik und betreibt ungeniert Ablasshandel. Käme Luther selbst nach Berlin, würde er von den Kirchentags-Veranstaltern wohl gar nicht erst hereingelassen. „Rassist“ und „völkischer Nationalist“ wäre das Mindeste, was EKD-Funktionäre dem „Propheten der Deutschen“ um die Ohren schlagen würden.

Die Kirche hat Luther längst verraten.

Könnte Martin Luther mit eigenen Augen sehen, was aus der evangelischen Kirche geworden ist, würde er gleich die nächste Reformation ausrufen. Denn die Kirche hat ihren Urvater längst verraten. Weiter weg von Martin Luther als der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm kann man kaum sein. Bedford-Strohm versteckte beim Besuch auf dem Tempelberg feige sein Bischofskreuz – vor lauter Angst, ein Muslim könnte sich dadurch beleidigt fühlen. „Ihr sollt das Kreuz hochhalten und nicht abhängen!“ hätte der Reformator dem kleinmütigen Bischof hier entgegengeschleudert. Er selbst bot unerschrocken dem Kaiser und Papst die Stirn.

Und was hätte Luther wohl zu dem Berliner Bischof Markus Dröge gesagt, der eiskalt dekretiert, Christen hätten „in der AfD nichts verloren“? Oder zur Polit-Kampagne der Kirchen, die vor dem AfD-Bundesparteitag in Köln zu Protesten gegen eine Partei mobilisierten, die in Opposition zu den Mächtigen steht?

Für den Reformator gab es zwei „Reiche“, in denen jeder Christ lebt: Das „geistliche Regiment“, das Predigtamt der Kirche, ist für das Seelenheil zuständig. Das weltliche Regiment, der Staat, für die materielle Existenz.

Luther wollte den Irrweg der mittelalterlichen Papstkirche korrigieren und die Unterordnung der weltlichen Macht unter die geistliche beenden, um die „Christenmenschen“ zu befreien. Die heutige evangelische Kirche tut das Gegenteil: Sie will ihren Mitgliedern die richtige politische Gesinnung vorschreiben. Wer die ‚falsche‘ Position vertritt oder sich in der ‚falschen‘ Partei engagiert, wird eben quasi exkommuniziert.

Kirchentag: politischer Rummelplatz, kaum von Grünen- oder SPD-Parteitagen zu unterscheiden.

Das führt zu Auswüchsen wie denen, die Luther bereits vor 500 Jahren bekämpft hatte. Ein evangelischer Kirchentag ist heutzutage ein politischer Rummelplatz, den man kaum noch von einem Grünen- oder SPD-Parteitag unterscheiden kann. Da geht es nicht um Bibel, Gnade und Glauben als einzigen Weg zur göttlichen Gerechtigkeit. Stattdessen um Klimaschutz und „fairen Handel“, um Ökostrom, Feminismus und Homosexuellen-Lobbyismus. Um noch mehr Sozialstaat und Umverteilung und offene Grenzen, Flüchtlingshilfe und unbeschränkte Einwanderung.

Während sich abgetakelte Politiker der Altparteien hier die Klinke in die Hand geben, wird gegen AfD-Politiker unverhohlen gehetzt. Merkel darf sich vor großer Kulisse feiern lassen und ungeniert Wahlkampf betreiben. Aber wehe, es kommt zum Gespräch mit Christen, die sich in der AfD engagieren: Da wird dann gleich zum Boykott aufgerufen.

Die evangelische Kirche betreibt modernen Ablasshandel

Der Widerstand gegen den Ablasshandel hat Martin Luther zum Reformator gemacht: Gebt dem Papst Geld, und ihr kommt in den Himmel. Die evangelische Kirche betreibt modernen Ablasshandel: Du musst für Windräder und Einwanderung sein, dann wirst du selig.

Der Staat soll die Bürger zwingen, das zu tun, was die Kirche für gute Werke hält, indem er ihm seine Steuergelder abnimmt und so ausgibt, wie die Kirche das richtig findet. Wer aufmuckt, der ist kein guter Christ, sondern ein „Rassist“ oder „Rechtspopulist“ oder Schlimmeres.

Damit machen die Kirchen gute Geschäfte. Auch hierbei muss Luther im Grab rotieren: Caritas und Diakonie sind die größten privaten Arbeitgeber in Deutschland. Bischöfe wie das SPD-Mitglied Heinrich Bedford-Strohm sind eigentlich Vorstandsvorsitzende von Sozialkonzernen. Und sie missbrauchen ihr geistliches Amt, um ihre ganz weltlichen Geschäfte zu fördern, und finden nicht einmal etwas dabei.

Die Kirchen sollen sich noch stärker in die Politik einmischen, sagte Bedford-Strohm vor kurzem, das politische Engagement von Kirchen sei „unstrittig und hochgeschätzt“. Hat er vergessen, auf welchem Irrweg die evangelische Kirche während des Dritten Reichs mit den „Deutschen Christen“ war, die sich dem Regime angedient hatten?

Die Kirche hat aus Zeitgeist-Opportunismus ihre Grundsätze über Bord geworfen

Viel gläubige Christen wählen nicht nur die AfD, sie engagieren sich auch in ihr. Sie nehmen die von Luther geforderte „Freiheit eines Christenmenschen“ in Anspruch, selbst zu entscheiden, wie sie sich in Staat und Gesellschaft einbringen und welche guten Werke sie tun – aus eigener Überzeugung und nicht, weil ihnen Papst und Priester es so vorschreiben.

Sie tun das auch, weil im Programm der AfD viele Positionen noch einen Platz haben, die – Beispiel Lebensschutz und Wertschätzung der Familie – zum Kernbestand des christlichen Glaubens gehören, bei der evangelischen Kirche selbst aber aus Zeitgeist-Opportunismus nicht mehr hoch im Kurs stehen.

Luther wollte die Menschen aus der Bevormundung durch eine eigennützige und verweltlichte Kirche befreien. 500 Jahre nach dem Thesenanschlag in Wittenberg wird es tatsächlich Zeit für einen neuen Reformator. Würde Luther den Kirchentag in Berlin erleben, würde er sofort die nächste Reformation anzetteln.

http://www.huffingtonpost.de/petr-bystron/kirchentag-martin-luther-_b_16789384.html

Petr Bystron
Politologe, Publizist

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